Was national gilt: die separate Besteuerung
Kapitalleistungen aus der 2. Säule (Pensionskasse) und der Säule 3a werden nicht wie gewöhnliches Einkommen besteuert. Sie unterliegen einer separaten Jahressteuer, getrennt vom übrigen Einkommen – das verhindert, dass eine einmalige, grosse Auszahlung die Progression auf dem restlichen Einkommen in die Höhe treibt. Ob und wie viel Kapital Sie überhaupt bezogen bekommen, hängt vom jeweiligen Reglement ab – siehe Pensionskasse: Kapitalbezug, Rente oder beides? und Bezug der Säule 3a bei der Pensionierung.
Bei der direkten Bundessteuer ist diese Regel bundesweit identisch (Art. 38 DBG): Die Steuer wird zu einem Fünftel des ordentlichen Tarifs berechnet. Das gilt unabhängig vom Wohnkanton.
Was kantonal unterschiedlich ist: der Steuersatz
Jeder Kanton legt bei den Kantons- und Gemeindesteuern seinen eigenen Mechanismus fest, um denselben Grundsatz (separate, privilegierte Besteuerung) umzusetzen. Alle 26 Kantone zusammen zeigen mehrere unterschiedliche Modelle:
- Fiktiver Rentensatz mit Mindestsatz (z. B. Zürich, Schwyz, Graubünden, Tessin): Die Steuer wird berechnet, als würde nur ein Bruchteil (1/15, 1/20 bzw. 1/25) der Kapitalleistung jährlich ausbezahlt – im Tessin alters- und geschlechtsabhängig anhand der amtlichen Rentenumwandlungstabelle –, mindestens aber ein bestimmter Prozentsatz.
- Bruchteil des ordentlichen Tarifs (z. B. Aargau, Nidwalden, Zug, Solothurn, Schaffhausen, Appenzell Innerrhoden, Waadt, Neuenburg, Genf): ein fester Anteil (z. B. ein Viertel oder ein Fünftel) des Steuerbetrags bzw. der Steuersätze, der nach dem ordentlichen Einkommenssteuertarif anfallen würde, teils mit Mindestsatz.
- Eigene, feste oder progressive Kapitalleistungstarife (z. B. Bern, St. Gallen, Luzern, Thurgau, Uri, Glarus, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden, Freiburg, Jura): eigenständige Sätze bzw. Stufentabellen, unabhängig vom ordentlichen Einkommenssteuertarif.
- Flacher ordentlicher Tarif (Obwalden): Weil die ordentliche Einkommenssteuer selbst keine Progressionsstufen kennt, ergibt sich rechnerisch immer derselbe Satz, unabhängig von der Höhe der Kapitalleistung.
- Satz des ordentlichen Tarifs, nach oben begrenzt (Wallis): Der Satz, der für dieselbe Summe nach dem ordentlichen Tarif gelten würde, kommt nur bis zu einer gesetzlichen Höchstgrenze zur Anwendung – bei grösseren Kapitalbeträgen liegt der ordentliche Satz sonst weit darüber.
Für dieselbe Kapitalsumme variiert die kantonale Steuerbelastung dadurch stark: Bei einer Kapitalleistung von CHF 200’000 liegt der Faktor zwischen dem günstigsten Kanton (Nidwalden, 0,69 %) und dem teuersten (Basel-Stadt, 6,38 %) bei rund 9.
Praktische Konsequenz: Zeitpunkt und Staffelung
Weil alle im selben Kalenderjahr fällig werdenden Kapitalleistungen zusammengerechnet werden, wirkt sich der Zeitpunkt eines Bezugs direkt auf die Steuerbelastung aus – besonders bei progressiven kantonalen Tarifen (z. B. Bern) oder wenn zusätzlich die ordentliche Bundessteuerprogression relevant wird. Wer PK-Kapital und Säule-3a-Guthaben in unterschiedlichen Jahren bezieht statt alles gleichzeitig, kann die Steuerlast dadurch reduzieren – die konkreten Möglichkeiten dazu (Aufteilung auf mehrere 3a-Konten, gestaffelter PK-Bezug über maximal drei Schritte beim gleichen Arbeitgeber seit 1.1.2024) sind eigene Themen.
Kantonsvergleich: einfache Kantonssteuer auf CHF 200'000
Einfache Kantonssteuer (100 %) für eine alleinstehende Person ohne Kinder, auf einer Beispiel-Kapitalleistung von CHF 200'000 aus Pensionskasse oder Säule 3a. Ohne Gemeindesteuer-Zuschlag (Steuerfuss der Wohngemeinde) und ohne direkte Bundessteuer – beide kommen zusätzlich hinzu und sind hier bewusst weggelassen, weil sie den kantonalen Vergleich verzerren würden (Bundessteuer ist ohnehin bundesweit einheitlich, der Gemeindezuschlag variiert stark auch innerhalb eines Kantons).
| Kanton | Einfache Kantonssteuer | Effektiver Satz |
|---|---|---|
| Aargau | CHF 5'101.65 | 2.55 % |
| Appenzell Ausserrhoden | CHF 2'000.00 | 1 % |
| Appenzell Innerrhoden | CHF 4'000.00 | 2 % |
| Basel-Landschaft | CHF 4'000.00 | 2 % |
| Basel-Stadt | CHF 12'750.00 | 6.38 % |
| Bern | CHF 2'112.55 | 1.06 % |
| Freiburg | CHF 5'000.00 | 2.5 % |
| Genf | CHF 5'028.83 | 2.51 % |
| Glarus | CHF 8'000.00 | 4 % |
| Graubünden | CHF 3'000.00 | 1.5 % |
| Jura | CHF 2'833.00 | 1.42 % |
| Luzern | CHF 2'440.00 | 1.22 % |
| Neuenburg | CHF 6'575.66 | 3.29 % |
| Nidwalden | CHF 1'375.00 | 0.69 % |
| Obwalden | CHF 1'440.00 | 0.72 % |
| Schaffhausen | CHF 3'917.00 | 1.96 % |
| Schwyz | CHF 1'812.50 | 0.91 % |
| Solothurn | CHF 4'950.50 | 2.48 % |
| St. Gallen | CHF 4'400.00 | 2.2 % |
| Tessin | CHF 4'000.00 | 2 % |
| Thurgau | CHF 4'800.00 | 2.4 % |
| Uri | CHF 3'800.00 | 1.9 % |
| Waadt | CHF 4'337.80 | 2.17 % |
| Wallis | CHF 8'000.00 | 4 % |
| Zug | CHF 4'300.35 | 2.15 % |
| Zürich | CHF 4'000.00 | 2 % |
Quellen
- Fedlex – Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG), Art. 38
- zh.ch – Weisung zur Besteuerung von Kapitalleistungen aus Vorsorge (§§ 22, 37 StG)
- sv.fin.be.ch – Bernisches Steuerrecht 2024, Art. 44 StG
- sg.ch – Steuerbuch StB 52 Nr. 1
- ag.ch – Arbeitshilfe Besteuerung von Kapitalzahlungen aus Vorsorge und Versicherungen
- steuerbuch.lu.ch – § 58 Nr. 1
- steuerpraxis.tg.ch – StP 39 Nr. 2
Häufige Fragen
Ist die Auszahlung aus Pensionskasse und Säule 3a bundesweit gleich geregelt?
Die Leistung selbst ja – wer eine Kapitalauszahlung beziehen darf und wann, regelt bundesweit einheitliches Recht (BVG, BVV 3). Unterschiedlich ist ausschliesslich die Besteuerung dieser Auszahlung: Der Bund erhebt einheitlich 1/5 des ordentlichen Tarifs, aber jeder Kanton legt seinen eigenen Steuersatz oder seine eigene Tarifformel fest.
Werden Kapitalbezüge zusammengerechnet, wenn sie im selben Jahr erfolgen?
Ja, in allen hier verglichenen Kantonen und beim Bund werden alle im gleichen Kalenderjahr fällig werdenden Kapitalleistungen (auch von beiden Ehepartnern) für die Steuerberechnung zusammengezählt. Wer PK- und 3a-Guthaben gestaffelt über mehrere Jahre bezieht, kann dadurch in eine tiefere Progressionsstufe fallen.
Warum enthält die Vergleichstabelle keine Gemeindesteuer und keine Bundessteuer?
Die Bundessteuer ist bundesweit identisch (1/5 des ordentlichen Tarifs) und verändert den kantonalen Vergleich nicht. Die Gemeindesteuer schwankt dagegen so stark – teils auch innerhalb eines Kantons zwischen einzelnen Gemeinden –, dass eine einzelne Gemeinde den Vergleich verzerren würde. Die Tabelle zeigt deshalb die einfache Kantonssteuer als vergleichbare Grösse; Bundessteuer und Gemeindezuschlag kommen für die tatsächliche Steuerrechnung zusätzlich hinzu.